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Fremdsprachige Websites, SEO und die Frage nach Erfolgsstrategien

Online-Marketing: SEO & FremdsprachenOnline-Marketing Gastartikel von Christian Arno.

Als Webmaster mit einer kommerziellen Website und Plänen, sich durch fremdsprachige Website-Varianten und Suchmaschinenoptimierung (SEO) neue Märkte zu erschließen, steht man vor einer grundlegenden Entscheidung: Einerseits kann man beispielsweise eine englischsprachige Website aufsetzen, um mit ihr und passenden SEO-Maßnahmen potenzielle Kunden in allen Ländern mit Englisch als Amtssprache und darüber hinaus Menschen aus anderen Ländern mit Englisch als Fremdsprache anzusprechen. Andererseits kann es gerade bei der SEO Vorteile haben, sich weniger auf eine bestimmte Sprache, sondern mehr auf ein bestimmtes Land zu konzentrieren. Bei einer englischsprachigen Website könnte man sich dann etwa auf Länder wie Großbritannien, USA oder Australien konzentrieren. Was ist besser?

Wen lockt man nach Dresden?

Die anstehenden Entscheidungen für einen Webmaster, der zukünftig auch ausländische Kunden gewinnen möchte, lassen sich am besten an einem Beispiel erläutern. Nehmen wir deshalb für die gesamte Thematik einmal eine kommerzielle Website, auf der ausschließlich Städtereisen nach Dresden angeboten werden. Die Seite existiert bisher auf Deutsch und bietet unter anderem Reise-, Flug- und Hotelbuchungen sowie Spezialpakete wie etwa Städteführungen an. Der Webmaster möchte mit fremdsprachigen Versionen seiner Website zukünftig auch ausländische Zielgruppen locken. Der erste Gedanke, der vielen Webmastern dabei kommt, ist eine zweite Website, die den deutschen Content ins Englische übersetzt. Einiges spricht dafür:

  • Englisch ist eine der am meisten gesprochenen Sprachen auf der Welt. Die Fachzeitschrift „Ethnologue“ schätzte die Zahl der Englischsprachigen weltweit auf 328 Millionen. Chinesisch wird allerdings laut „Ethnologue“ von etwa 1,2 Milliarden Menschen gesprochen, Spanisch von 329 Millionen Menschen.
  • Neben der Anzahl derjenigen, die die Sprache sprechen, ist aber auch die Anzahl der Länder wichtig, in der die Sprache gesprochen wird. Laut „Ethnologue“ ist Englisch in 112 Ländern keine Fremdsprache. Bei Spanisch gilt das „nur“ für 44 Länder.

Der Webmaster mit seiner Dresdenseite aus dem Beispiel würde also mit einer englischsprachigen Seite potenziell 328 Millionen in 112 Ländern erreichen, diejenigen, die Englisch als Fremdsprache beherrschen, nicht eingerechnet. Klingt gut! Allerdings muss er sich natürlich auch Gedanken darüber machen, mit welcher Sprachwahl er größte Chancen auf gute Geschäfte hat. Über die Dresden Marketing GmbH erfährt er dann etwa, dass im ersten Halbjahr 2011 die meisten Übernachtungsgäste in Dresden aus den USA kamen. Auf den Plätzen folgten Schweizer und Österreicher. Das größte Wachstum an Gästen kam aus Kanada, gefolgt von Japan, Russland und Dänemark. Möglicherweise entscheidet sich unser Webmaster also tatsächlich für eine englischsprachige Seite, um fortan den US-amerikanischen und Teile des kanadischen Marktes zu bedienen und mit Englisch potenzielle Kunden aus weiteren Ländern zu erreichen. In der Online-Marketing Strategie kann es gerade in Bezug auf SEO der fremdsprachigen Seite allerdings auch Nachteile haben:

 

Englisch ist nicht gleich Englisch

Australisches Englisch ist anders als britisches und in den USA spricht man wiederum eine andere Variante. Natürlich haben all diese Varianten viele Gemeinsamkeiten, aber eben doch auch Unterschiede, die bedeutend sein können. Während man eine Herbstreise nach Dresden für US-Amerikaner vielleicht am besten mit den Keywords „journey“, „Dresden“ und „fall“ optimiert, ersetzt man „fall“ als eine für US-Amerikaner passende Übersetzung des Wortes „Herbst“ für eine britische Zielgruppe besser durch „autumn“. Das Beispiel zeigt besonders gut, dass die Unterschiede einer Sprache in verschiedenen Ländern auch Einfluss auf die optimale Wahl der Keywords haben. Wer auf britisches Englisch optimiert, verliert möglicherweise im US-amerikanischen Suchmaschinen-Ranking und umgekehrt. Der Versuch, Kompromisse zu finden, sorgt bestenfalls für ein gutes Ranking in beiden Staaten, im ungünstigen Fall hier wie da für ein schlechtes.

 

Konkurrenz

Es kommt noch ein Aspekt hinzu: Da Englisch die geografisch am meisten verbreitete Sprache ist, ist die Konkurrenz englischsprachiger Websites besonders hoch. Möglicherweise bedient unser Beispiel-Webmaster dann doch lieber eine ebenfalls attraktive russische Zielgruppe mit einer sprachlich passenden Website, weil die Konkurrenz in seinem Segment bei russischsprachigen Seiten nicht so hoch ist?

 

Websites, auf Länder optimiert!

Für SEO-Maßnahmen ist es oftmals am besten, wenn man sich auf einzelne Länder konzentriert. Wählt unser Webmaster etwa die USA als Zielland aus, kann er die Keyword-Auswahl voll und ganz den Suchgewohnheiten von US-Amerikanern anpassen. Er besorgt sich eventuell eine Internetadresse mit der Endung „.us“ und achtet beim Linkbuilding vor allem auf eine Verlinkung durch gut besuchte US-Seiten. Auf diese Weise steigen seine Chancen auf ein gutes Ranking in US-Suchmaschinen, in anderen englischsprachigen Ländern sinken sie dagegen eher.

Aber vielleicht ist es besser, für die Zielgruppe in einem Land bei der SEO seiner Website alles perfekt zu machen als mit SEO für die Zielgruppen in vielen Ländern stets Kompromisse einzugehen?

Die Strategie, sich auf ein Land zu konzentrieren, bedeutet dann aber natürlich auch, dass man etwa für Briten und US-Amerikaner jeweils eine eigene englische Website ins Internet stellt. Das ist natürlich finanziell und zeitlich aufwändiger als eine einzige englischsprachige Website. Schaut man auf die Schweiz als mögliches Zielland des Online-Marketing, kommt ein weiteres Problem hinzu: Im Land werden ja mit Deutsch, Französisch und Italienisch gleich mehrere Sprachen gleichrangig verwendet. Möchte der Webmaster mit seiner Dresden-Seite also Schweizer Kunden gewinnen, ist die Frage:

  • Setzt er eine deutsch-, französisch- oder italienischsprachige Website auf und nimmt dadurch in Kauf, nur eine Teilgruppe in seinem Zielland anzusprechen, oder entscheidet er sich für eine Website mit Sprachauswahl, die wiederum teuer und aufwändiger ist?

Dieser Artikel kann auf all die genannten Fragen keine pauschalen Antworten geben. Die passende Strategie wird von Fall zu Fall anders aussehen. Was dieser Artikel aber kann und vielleicht getan hat: Er hat Leser für die Themenbereiche sensibilisiert, die bei der Entscheidung für fremdsprachige Websites und passendes Online-Marketing eine Rolle spielen. Auf dieser Basis lassen sich effektive Strategien aufbauen.

Über den Autor: Christian Arno ist der Gründer von Lingo24, einem Übersetzungsunternehmen, das professionelle Übersetzungen anbietet. Folge Christian auf Twitter unter @l24de.

 

11 Antworten

  1. H. S.

    Hallo.
    Also da ich nicht im Bereich SEO tätig bin und nicht viel mit SEO zu tun habe, kann ich leider kein profesionelles Feedback geben.

    Ich möchte nur sagen, dass ich finde das dieser Artikel sehr gut verfasst wurde und das er auch für einen “Unwissenden” wie mich, sehr gut verständlich war!

    Lg Hannes

  2. Guter Artikel, der mit den leicht unterschiedlichen Sprachgewohnheiten in den verschiedenen englischsprachigen Ländern eine interessante Problematik mit anspricht.
    Ich bin mir sicher, das kann in einigen Fällen zu Problemen führen, wenn dies nicht mit bedacht wird.

    Was das Beispiel mit der Schweiz angeht (und eigentlich auch die bereits vorher angesprochene Thematik bzgl. einer geeigneten Sprachwahl), so denke ich, läuft es letztlich darauf hinaus, wie man sich selbst positionieren möchte. Möchte man nur die Mehrheit abgreifen, dann nimmt man in diesem Falle nur Deutsch. Aber es kann sich bestimmt auch lohnen, in die Nischen zu gehen und so z.B. die französischsprachigen Schweizer abzugreifen, für die es als Minderheit gewiss weniger bereits existierende Angebote gibt.

    Aber wie schon im Artikel angesprochen, letztlich lassen sich darauf keine pauschalen Antworten geben, sondern das muss im Einzelfall mit entsprechender Recherche entschieden werden.

  3. Wir haben bisher gute Erfahrungen gemacht, die einzelnen Länderseiten sprachlich zu trennen und die übersetzten Länderseiten als eigenständige Webseiten zu vermarkten.

  4. howdy

    exzellent verfasster Artikel- mir gefällts sehr gut- mit guten Informationen wie man eine fremdsprachige Website aufsetzt!

    In meinem Blog hatte ich ein Traslator Plugin aufgesetzt welches ich mir von dem WordPress-Store gezogen habe. Ergebnis war allerdings sehr ernüchternd, sodann habe ich es nach 2 Monaten wieder deaktiviert.

    Google schaut sich die Domain und die Ip-Lokation eines WordPress-Blogs an und kann mittlerweile sehr gut erkennen, ob der Text von einem Muttersprachler oder einem Computerprogramm erstellt wurde.

    Deshalb kommt man nicht darum, professionelle Übersetzer für die Content-Erstellung einzusetzen, außerdem muss man wohl oder über eine Com-Adresse nehmen die idealerweise in den Staaten gehostet ist.

    Cheers

  5. Sehr schön formuliert und aufgefasst. Anbei möchte ich noch ein, ich schimpf es mal “Grey-Hat-SEO”-Beispiel, preisgeben. Und zwar hat man in den Google Webmaster Tools die Möglichkeit, ein geografisches Ziel einer jeweiligen Site festzulegen.

    Website Konfiguration -> Einstellungen -> Geografisches Ziel > “Ausrichtung auf Nutzer in:”

    Der Trick: In diesem Popdown-Menü heißt der letzte Länder-Eintrag “nicht gelistet”. Ich konnte durch diese Umstellung positive Effekte besonders in den Google-Rankings von Schweiz und Österreich feststellen. Ob diese etwas unübliche SEO-Methode allerdings jetzt noch fruchtet, kann ich natürlich nicht sagen. Probieren geht über Studieren 😉

    Viel Erfolg bei der internationalen Suchmaschinenoptimierung,

    LG

  6. Hi, da ich mich aktuell mit dem Thema mehrsprachige Webseite beschäftige, wollte ich noch kurz was dazu sagen. Eine .com wird für den Fall das Beste sein, aber wenn man nun etwa spanische und englische Besucher ansprechen will, wird es mit einem generischen Begriff schwierig, man sollte sich eine Domain schnappen, die nicht nur in einer Sprache aussagekräftig ist.
    Ein Wort, das z.B. in Spanisch und Englisch gleich ist: Baby
    man kann für englischsprachige User Subadressen wie us.baby.com en.baby.com,
    für spanische es.baby.com usw.
    Nun ist Baby.com ja schon belegt. Eine Alternative zu finden, das überlasse ich Euch.
    Oder man macht seine eigene Marke mit einem Fantasiebegriff, hier entstehen natürlich auch wieder Kosten.
    Der Content der automatischen (kostenlosen) Übersetzer ist Mist, hier kann man mal sein Netzwerk nutzen, evtl. hat jemand einen Native-Speaker als Kontakt, oder halt Kohle Schotter Asche für nen Übersetzer hinlegen.
    Dass Spanisch nicht gleich Spanisch ist, kann auch noch erwähnt werden, die Millionen Katalanen in Spanien verstehen aber auch Castellano, das eigentliche Spanisch, das auch in seinen Dialekten von den vielen Latinos in den USA, Mekiko bis runter nach Feuerland gesprochen wird. Jedes Land hat seine Eigenheiten, ob und wie tief man das auf seiner Internetseite berücksichtigen kann und will, das muss jeder für sich selbst entscheiden, aber manchmal ist es besser, ein Auge zuzudrücken und zu sagen: 110% kann ich einfach nicht, bei 90% ist aus.
    Zumindest für den Anfang. Wenn man dann mal Zeit und Muße hat, kann man gerne ins Detail gehen, aber soweit wird es in den meisten Fällen nicht kommen.
    Japanisch und Chinesisch ist ein Thema, was sich mir hoffentlich nie stellen wird, da sind so viele Fallstricke, das könnte man nur mit einem Partner, der diese Sprachen perfekt beherrscht, durchziehen.

  7. Hallo Mike.
    Toller Kommentar. Da ich zufälligerweise ziemlich viel mir Spanien zu tun habe noch ein paar Anmerkungen: Baby ist auf Spanisch bebe. Aber ist ja auch egal. Zum Thema unterschiedliche spanische Dialekte: Wenn man es wirklich ernst meint, dann muss man seine Seite auch auf Katalanisch übersetzen. Das Problem ist, dass viele Katalanen kulturell bedingt zwar Castellano sprechen und lesen, jedoch Aversionen dagegen haben. Marketingbedingt ist die Übersetzung also ein Muss. Barcelona ist schließlich ein Riesenmarkt.

    Wenn man nach Südamerika geht, dann sind überarbeitete Übersetzungen auch ein Muss. Abgesehen vom Marketingeffekt gibt es auch unglaublich viele Fallstricke: “coger” heißt in Spanien “nehmen” und in Argentinien “fi**en”.

    Also: Wer es ernst meint, der sollte sich an regionale Gepflogenheiten anpassen. 🙂

    Viele Grüße

  8. hi Max,

    das mit Baby und Bebe ist natürlich richtig, daß die nicht ganz gleich sind im Englischen und Spanischen, die Südamerikaner und auch die Spanier, selbst die Katalanen verstehen jedoch Baby. Hast Du schonmal TV in Barcelona angesehen? Hier gibts einige Sender auf Castellano. Sehr viele Menschen, die hier leben, sind keine (gebürtigen) Spanier. Afrikaner, Ecuatorianer(innen), Brasilianer(innen), Kolumbianer(innen) und Peruaner(innen) sind hier oft das prägende Strassenbild.
    In meinem Portfolio schlummert auch noch die Barzelona.de, habe mittlerweile genug Fotos in Barcelona gemacht, evtl. kann man die Vertipper ja trotzdem auf die Stadt Barcelona optimieren.

    Amazon ist hier z.B. gerade am Aufbau, die Leute in Spanien kaufen ja hauptsächlich im Supermarkt oder Media Markt , das was Sie sehen! Leider wird hier viel Schrott verkauft und man muss selbst in den bekannten Ketten aufpassen, dass die Ware etwa bei Foodartikeln nicht verdorben ist, Elektronik ist teurer, das verursachen wohl auch die Einfuhrzölle und eben der hier noch übliche Landenhandel.
    Nebenbei ist das Catalan, wie ich fine, eine relativ schwierige Sprache, genauso wie Portugiesisch, das ja vornehmlich in Portugal und Brazil gesprochen wird. Aber gerade Brazil ist gut am Laufen, und das schon seit Jahren. Ich habe mir deshalb auch mal die Brazil24.com zugelegt, dort werd ich allerdings erstmal auf Englisch und Deutsch beginnen, aber das wird sicher dieses Jahr nix mehr.

    Weil Du Argentinien und das coger ansprichst…Argentinien ist auch unbedingt eine Reise wert, das klingt nun abgedroschen, aber das ist schon…sehr interessant das Land, nur die hohe Inflation von über 25% macht einem dort zum Leben weniger Spass, wenn Du ein Bier heute für 5 Peso kaufst, zahlst Du 2012 6 Peso oder mehr, zumindest das ist sicher in diesem Land. Da ist z.B. Peru schon erheblich besser, zwar auch ärmer und von daher etwas “gefährlicher”. Kolumbien ist dort unten für mich eines der Länder, die stark im Kommen sind, politisch stabil und die Natur – für uns Europäer – fantastisch. Man muss halt auch mit der Armut dort klarkommen, ich hab da Zero Problem 😉

    beste Grüsse
    Mike

  9. Hallo Max,

    da sprichst du ein paar interessante Fettnäpfchen an, in die man leicht beim internationalisieren treten kann.
    Die reine Übersetzung, also die sprachliche Seite, ist sicherlich eine Sache, die kulturelle Seite ist aber mindestens genauso wichtig, um authentisch und damit seriös aufzutreten und gleichzeitig zu vermeiden, den potentiellen Kunden versehentlich vor den Kopf zu stoßen.
    Da wird man letztlich nicht drumherum kommen, professionelle Übersetzer zu engagieren, die genau das vermeiden können.

  10. Ich denke, dass es kein Problem ist, eine Seite in mehreren Sprachen zu optimieren. Wir machen aus Deutschland viel in Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnalnd. Language tag rein, texte in Landessprache in ein paar Links in den Zielländern. So einfach ist es theoretisch. Praktisch braucht man neben SEO Kenntnissen, vor allem die Sprachkenntnisse. Es ist viel aufwändiger als nur die Seite für eine Sprache zu optimieren aber es lohnt sich.

  11. Interessant wäre noch die Betrachtung welche Vor- und Nachteile die Verwendung von “Ordnern”, Subdomains oder Topleveldomains für die Übersetzung hätte.

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