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Bezahlte Blogposts kennzeichnen?
Abmahnfalle im Online-Marketing!

„Gesucht werden Blogs oder Websites, die über Online-Marketing und SEO berichten möchten. Der Artikel darf nicht als Werbung gekennzeichnet werden und die Links müssen Dofollow sein.“ 

Bezahlte BlogpostsAuf diese Art fangen in der Regel die Auftragsbeschreibungen in den Blogpost-Börsen an. Das Prinzip ist simpel: Unternehmen oder Online-Marketing Agenturen suchen Blogger, die gegen Bezahlung einen Blogpost veröffentlichen. An sich ist dagegen nichts einzuwenden. Der Blogger kann sich ein kleines Taschengeld verdienen und das Unternehmen bekommt einen schönen Artikel mit einem dicken Dofollow-Link.

Ohne auf die moralische Seite eingehen zu wollen (das tue ich weiter unten), kann dieses Verhalten, welches von vielen Online-Marketing Agenturen als Strategie für Suchmaschinenoptimierung benutzt wird, ganz schnell zu einer deftigen Abmahnung führen. Und zwar nicht nur für die Agentur oder das Unternehmen, sondern auch für den Blogger.

§6  I, 1 Telemediengesetz (TMG) besagt das Folgende:

Kommerzielle Kommunikationen müssen klar als solche zu erkennen sein.

 

Blogposts als Empfehlungsmarketing

Dieser Paragraph wurde geschaffen, um zu vermeiden, dass Unternehmen sich gezielt in private Projekte einkaufen und deren Vertrauen ausnutzen. Aus Marketingsicht gibt es keine bessere Werbung, als die Mund-zu-Mund Propaganda. Diverse Studien ergaben, dass ein Käufer eher einem Freund vertraut, als einem Verkäufer wenn es um eine Kaufentscheidung geht. Das wissen natürlich auch die Berater in den Online-Marketing Agenturen, die den Unternehmern ihre eigenen, erfolgversprechenden Lösungen präsentieren wollen.

 

Bezahlte Blogposts als Grauzone?

Es mag in der SEO-Szene sicherlich unbestritten sein, dass Content-Links einen starken Effekt auf die Platzierungen in Googles Trefferlisten darstellen. Deshalb haben diese gekauften Blogposts auch gleich den doppelten Nutzen: Empfehlung von Freunden + gute SEO-Arbeit. Diese Strategie kann den Unternehmern natürlich sehr gut von den Online-Marketing Experten verkauft werden, da der positive Effekt empirischen Daten unterliegt. Über den klaren Gesetzesverstoß wird bei Seminaren oder Beratungsgesprächen wahrscheinlich seltener gesprochen. Oft ist die Gesetzeslage noch nicht einmal bekannt.

Hinzu kommt noch, dass als getarnte Empfehlungspost veröffentlichte Artikel nur sehr schwer als solche zu erkennen sind. Gute Blogger sind in der Lage, die Artikel so zu verfassen, dass sie wirklich aussehen wie authentische Produktempfehlungen. Also, wie sagt man so schön:

 

Wo kein Kläger, da kein Richter?!?

Das mag stimmen. Ich habe jedenfalls noch von keinem Unternehmen gehört, welches gezielt seine Konkurrenten untersucht, ob nicht bezahlte Blogposts mit Dofollow-Links im Internet rumschwirren (Erklär mal einem Unternehmer, was ein Dofollow-Link ist 😀 ). Das heißt aber nicht, dass es sie nicht gibt. Unmarkierte bezahlte Blogposts sind eine sehr effektive Online-Marketing Strategie. Diese Strategie befindet sich zwar ein Stück weit jenseits der Linie dessen, was legal wäre, jedoch ist die Chance erwischt zu werden fast Null. Für den Unternehmer also ein durchaus lohnendes Geschäft.

 

Und für den Blogger?

Jeder Blogger sollte für sich selbst entscheiden, ob er diese Linie überschreitet, oder nicht. Es kann sich durchaus lohnen. Manchen Agenturen zahlen gut. Für einen Blogpost der einem 50€ in die Kasse spült investieren viele Blogger gerne mal eine Stunde am Samstagvormittag. Und so wird es wohl auch weiterhin viele Geschäfte dieser Art geben. Der Blogger muss aber wissen, dass er im Prinzip seine Leser anlügt, wenn er gekaufte Posts veröffentlicht und damit eventuell die Qualität seines Blogs sinken könnte.

 

Fazit

  • Risiken: Der Unternehmer riskiert eine Abmahnung eines Konkurrenten. Der Blogger riskiert Vertrauensverlust bei seinen Lesern.
  • Gewinn: Der Unternehmer gewinnt im SEO-Krieg. Der Blogger verdient Geld.

Jeder sollte für sich entscheiden, ob er diese Linie überschreitet. Zugegeben, die Linie ist sehr dünn, aber sie ist dennoch da. Ich werde mich auf jeden Fall von bezahlten Blogposts ohne Markierung distanzieren. Einen tollen Vergleich von zwei der seriösesten Anbieter gibt es bei Net-Developers. Viele Anbieter dieser Blogpost-Börsen haben mittlerweile reagiert und verpflichten die Blogger dazu die Posts entsprechend als Werbung zu kennzeichnen und nur Nofollow-Links zu vergeben.

Wer hat Erfahrungen mit dieser Art des Online-Marketing?
Hat jemand schon einmal eine Abmahnung erhalten?

 

28 Antworten

  1. Christian

    Ist es nicht schwer, sowas gerichtlich nachzuweisen, ob für einen blog bezahlt wurde oder nicht?

  2. @Christian: Wenn eine Zahlung eines Unternehmens an einem Blogger rausgegangen ist, dann wird sich das in der Buchhaltung sicherlich nachweisen lassen.

  3. @Max Adler mag sein, dass das in der Buchhaltung steht, die steht aber als Beweismittel vor Gericht nicht so ohne weiteres zur Verfügung. Es handelt sich ja nicht um einen Mordfall oder ähnlich Schweres.

    Insgesamt halte ich das Thema für überbewertet. In vielen Zeitungen ist es seit Jahrzehnten unbeanstandete Praxis, dass Anzeigenkunden auch einen redaktionellen Beitrag bekommen. Die sind dann natürlich auch nicht als Werbung gekennzeichnet.

  4. Das Ganze ist im Moment vielleicht noch kein grosses Problem. Aber was wenn eine strengere Gesetzesänderung kommt und man dann viele Posts auf seinem Blog entweder löschen oder ändern muss? Bei grossen Blogs, insbesondere wenn man nicht einmal mehr genau weiss auf welchen Seiten bezahlte Posts stehen, kann das eine ungeheure Arbeit werden.

  5. @Stefan: Einspruch. In diesen Anzeigenblättern, die mit den Anzeigen dann auch einen redaktionellen Beitrag mit anbieten, ist dieser redaktionelle Beitrag auch als ANZEIGE kenntlich gemacht.

    Ich nehme an, dass es da bereits Urteile gibt. Deshalb wird sich diese Praxis so entwickelt haben.

  6. @Herbert Nein, ist er nicht. Sicher, es gibt auch die Variante, die Du beschreibst. Aber es gibt auch die, dass die Redaktion einen redaktionellen Beitrag verfasst, wenn Anzeigen geschaltet werden. Natürlich ist die Redaktion weiter unabhängig (ein Schelm, wer Böses dabei denkt) und schreibt, was sie will. Sie könnte also auch kritisch schreiben. Ich mag an dieser Stelle keine Beispiele nennen, kenne sie aber und nenne sie bei Bedarf gerne per PN. Es reicht aber auch, einfach eine Presseagentur zu fragen, die bieten solche Leistungen auch ganz offiziell an.

  7. Ich denke, es ist gängige Praxis, wenn auch bestimmt nicht von jedermann gebilligt.

    Aber wie bereits angedeutet, ein guter Blogger kann diese Beiträge so verfassen, dass kein Unterschied zu einer „echten“, oder eher unbezahlten, Empfehlung sichtbar ist. Eventuell ist der jeweilige Blogger ja erst durch diesen Auftrag auf das Produkt oder die Leistung aufmerksam geworden und findet sie tatsächlich gut und empfehlenswert. Unabhängig davon aber wird es hier schwer sein, einen konkreten Verdacht zu schöpfen.

  8. Guter Beitrag. Nicht nur das TMG, sondern auch das UWG dürfte diesbezüglich einschlägig sein.

    Wir haben uns Anfang des Jahres zu dem damaligen „Bloggergate“ auch schon einmal unter einem ähnlichen Blickwinkel mit dem Thema befasst:

    http://www.lbr-law.de/lbr-blog/kurioses-und-interessantes/der-blogger-und-der-skandal-oder-l%C2%B4auditoire-cest-moi

  9. @A.L.
    Da ich als BWLer nur peripher mit Gesetzestexten zu tun habe, habe ich mir einmal mal das TMG raus gepickt. Reicht ja, wenn man einmal gegen das Gesetz verstößt. :-)
    Die Meinung von Anwälten zu diesen Themen ist trotzdem immer wieder sehr wertvoll. I.d.R können Sie die Sachverhalte wesentlich schlüssiger klären.
    Viele Grüße

  10. Auf Dauer untergräbt man als Blogger mit bezahlten Blogposts, die nicht als solche gekennzeichnet sind, doch seine Glaubwürdigkeit. Wenn ich feststelle, dass ein Blogger regelmäßig bezahlte Textlinks in seine Artikel einfügt, werde ich den Blog in Zukunft halt meiden.

  11. Naja Geld ist nicht alles… Ich meine irgend wann wird der Blogger, aber auch das Unternehmen verlieren, da wenn der Blogger gierig wird und ständig Links und Werbung schaltet,verliert er seine Besucher und die Seite wird wertlose für den Blogger und das Unternehmen

  12. Irgendwann würde es auffallen, dass der Blogger immer und immer wieder Werbung in seinen Blogs hat und dann wird das Interesse an diesem Blog auch schwinden. Wie Sören schon schrieb, Geld ist nicht alles. Lieber einen guten Blog haben und sich freuen, dass dieser gerne gelesen wird, als einen Blog um Werbung zu machen, der auch noch schlecht ankommt.

  13. okseo

    Hallo zusammen, ja das ist schon ein Thema. Aber ich empfinde das als Blogleser wirklich nicht schlimm wenn es ein guter Artikel ist. Bin so auch schon auf das ein oder andere Produkt aufmerksam geworden.

  14. hallo,
    sehr guter artikel. die ausgangslage ist klar: wenn geld für den bericht fließt müßte eine kennzeichnung erfolgen. in jeder zeitung würden wir das als leser ja auch erwarten, wieso dann also nicht auch konsequent in blogs durchziehen?
    @jonas: dein letzter satz ist vollkommen richtig: wenn man nicht mehr um des bloggens selbst willen schreibt, sondern um den auftraggebern zu gefallen, der nähert sich immer mehr dem auftragsjournalismus.

  15. Ich hätte nicht gedacht, dass diese Diskussion noch immer aktuell ist. Vor einigen Jahren – mit dem Aufkommen bezahlter Blog-Artikel – ging es in der Blogsphäre heiß her. Die „Bloggen ist Berufung“ -Verfechter gegen die „Ich will Geld verdienen“ -Blogger.

    Seien wir ehrlich: Jedes große Blog beinhaltet zugleich auch Werbung! Die einen setzen auf Banner und Adsense und pflastern ihre Seiten mit Anzeigen zu. Die anderen schreiben eben gegen Bezahlung Blogposts (ok, es gibt auch Blogger, die beides machen 😉 ). Mir persönlich als Blogleser ist die zweite Gruppe lieber. Ich mag Webseiten, die mich als erstes und geradezu penetrant mit Bannern bombardieren, nicht.

  16. […] Durch die Kennzeichnung, wie wir sie z.B. bei bezahlten Artikeln der Plattform Hallimash* finden, werden solche Artikel aber meist auch gar nicht so gerne gelesen. Die erhoffte Werbewirkung verpufft an der Kennzeichnung und so haben sich im Handel mit bezahlten Artikeln Praktiken eingeschlichen, über deren Gefahren, Auswirkungen und Hintergründe man sich bewußt sein sollte. Siehe z.B. auch den Artikel von Max Adler: Bezahlte Blogposts kennzeichnen? Abmahnfalle im Online-Marketing. […]

  17. Hallo,

    man wird doch nur für seine Arbeit bezahlt. Ob das ein Affilate Link oder ein sponsored Post ist, da sehe ich keinen Unterschied. Und ein gut besuchter Blog ist harte Arbeit. Und da fast über jeden Link im Internet etwas erworben werden kann, müsste man ja jeden einzelnen Link mit einem Hinweis versehen.

    Viele Grüße

  18. Ich bin da auch ziemlich zwiegespalten. Allerdings denke ich auch, dass ein guter Artikel über ein gutes Produkt auch mal verschmerzt werden kann. Jeder Blogger muss da für sich entscheiden, wie weit er sich verkauft – letztendlich entscheiden dann aber so oder so die jeweiligen Leser, ob es nicht zuviel geworden ist.

  19. Hallo,
    diesen ewigen Abmahnquatsch gibt es auch nur in Deutschland. Glücklicherweise lebe ich jetzt in einem Land, in dem der Abmahner lt. Gesetz die Anwaltskosten tragen muss, nicht der Abgemahnte. Das bedeutet schlechte Karten für Abmahnanwälte die zu dumm sind richtige Mandanten zu bekommen.

    Daher ist das Thema „bezahlte Blogspots“ hier auch nicht heiss, denn es interessiert niemanden dafür eine Abmahnung zu machen.

    Hoffentlich änderrt sich die Rechtsfrundlage in D irgendwann. Ist aber, da viele Abgeordnetet Juristen sind, nicht zu erwarten.

    Viele Grüße

    V.Buntrock

  20. Ich stehe bezahlten Posts eigentlich recht positiv gegenüber, solange sich die Menge in Grenzen hält. Jeder Blogger muss nur für sich selbst entscheiden, wie weit er sich Verkaufen will. Ich finde ein bezahlter Post darf nicht die Meinung des Bloggers verändern, sondern im Grunde nur die Links verkaufen. Und wenn das kaufende Unternehmen nach Meinung des Bloggers nicht zu Empfehlen ist, sollte der Blogger auch mal einen bezahlten Post ablehnen. Lieber nichts schreiben, als nicht die eigene Meinung.

  21. Hallo !

    Ich verstehe das Theater immer nicht. Ich kann als Blogger 4 Artikel am Tag verkaufen á 40 Euro. Investition = 2 Stunden am Tag. Ich kann ja eine Sache empfehlen, dagegen spricht ja nix. Gefällt mir das Produkt nicht, dann verlinke ich es auch nicht.

  22. Ich glaube, „wo kein Kläger, dort kein Richter“ passt hier am optimalsten. Es ist doch sehr schwer und kaum nachzuweisen, welcher Artikel nun gekauft ist und welcher nicht.
    Ich schreibe alle meine Artikel selber, doch baue ich gerne Produktlinks von Konkurrenten ein, damit die Seite besser rankt. Nun könnte mir ja auch jemand vorwerfen, dass das Schleichwerbung ist… Ist es das???

  23. „Dieser Paragraph wurde geschaffen, um zu vermeiden, dass Unternehmen sich gezielt in private Projekte einkaufen und deren Vertrauen ausnutzen. “

    Wie sieht das nun aus, wenn ein gewerblicher Anbieter auf einen anderen gewerblichen Anbieter verlinkt? Also wenn mein „Blog“ im Impressum eindeutig als nicht privates Projekt ausgewiesen ist.

    • Hallo Dominik,
      Werbung muss grundsätzlich als Werbung gekennzeichnet werden. Egal, ob du privater oder kommerzieller Anbieter bist. Sobald Geld fließt, ist es Werbung. In vielen Situationen gilt aber: Wo kein Kläger, da kein Richter. Die Konkurrenz, die dich abmahnt muss erst einmal nachweisen, dass Geld geflossen ist.

  24. Hm, wie mache ich das dann mit einem Textlink (das kann man ja nicht, ohne den Lesefluss zu unterbrechen) nicht dahinter schreiben „Werbung“.
    Wenn ein ganzes Projekt kommerziell ausgelegt ist, tut es dann nicht eine für die Seite allgemeingültige Phrase (z.B. im Impressum) ala:
    „Dies ist ein kommerzielles Projekt von XXXX und wird durch verschiedene Werbeformen, zumeist ausgehende Links finanziert.“

    Wenn ich jetzt z.B. auf die Seite von „GMX“ gehe, ist dort praktisch nichts anderes zu finden ausser Werbung. Es ist aber nicht jedes Fensterchen oder Link ausdrücklich als Werbung markiert. Oft sind Werbepartner als „whitepage“ eingebunden und somit nicht explizit genannt.

  25. Meine Leser wissen, dass sie nur auf die Kategorie schauen müssen um zu erfahren, ob das ein bezahlter Artikel ist oder nicht.

  26. Gerade im Moment wo die Medien über den Fall Gottschalk berichten welcher Millionen damit verdient hat Produkte an zu preisen stellt sich die Frage ob nicht auch ein kleiner Blogschreiber ab und an eine Zubrot für die Haushaltskasse verdienen darf.
    Auch ich denke dass der Leser am besten selbst entscheiden kann ob es sich beim besuchten Blog um ein Werbeportal handelt oder um einen informativen Blog der auch ab und an etwas empfiehlt. Unabhängig davon ob die Empfehlung bezahlt wurde oder nicht stellt sich dann ohnehin noch die Frage ob die Empfehlung für mich zutrifft und ob ich das angepriesene Produkt überhaupt benötige.

  27. […] er keine dofollow-Links in bezahlten Beiträgen anbietet. Es ist ein schmutziges Geschäft (und rechtlich bedenklich!) und wird ein Blog abgestraft, dann hat der Blogger meist noch eine Handvoll weitere Blogs, mit […]

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