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Von Facebook, Zuckerbergen und George Orwell

George Orwell war ein Versager. Ein schlechter Wissenschaftler. Ein unfähiger Mathematiker. Er hat sich verrechnet. Um ganze 27 Jahre. Oder hatte er doch Recht?

Facebook Wert: 100 Milliarden Dollar

1984. 1984? Was für eine Zahl! Am 14. Mai 1984 wurde Mark Zuckerberg geboren. Zucker… Wer? Mark Zuckerberg. Der Gründer des mittlerweile allumfassenden Spionagenetzwerkes Facebook. Heute erst schätzten die globalen Finanzjongleure sein Imperium auf rund 100 Millarden US-Dollar. Obwohl George Orwells Vision von der totalen Überwachung im Jahre 1984 nicht in Erfüllung ging, wurde in diesem Jahr der Begründer seiner Vision geboren.

Gesichtserkennung

Erst vor ein paar Tagen machte Zuckerbergs Imperium Schlagzeilen in Richtung totalitäre Internetüberwachung. Facebook führte unbemerkt die Gesichtsüberwachung ein. „Ein tolles System“, so die Facebook-Pressesprecher. „So können deine Freunde noch besser deine Fotos identifizieren.“ WOW! Darauf hat die Welt gewartet. Endlich kann meine Ehefrau automatisch eine Nachricht bekommen, wenn ich mit einer Anderen rumknutsche. Toll, oder?

Das Prinzip funktioniert so: Falls jemand deiner Freunde ein Foto hochlädt, welches dich auf einer Party mit deiner neuen Flamme zeigt, dann scannt Facebook automatisch alle Profilfotos und zeigt dann ggf. deiner Frau, welche auch mit demjenigen befreundet ist, der das Foto hochgeladen hat, dass es neue Fotos von dir gibt. Klasse, oder?

Massenkonkurs von Privatdetekteien

Wovon leben denn dann überhaupt noch noch die Privatermittler? Früher wurden diese nämlich beauftragt um untreue Ehemänner festzunageln. Dank Facebook ist dies heutzutage nicht mehr nötig. Man muss einfach nur ein bisschen aufmerksamer das Profil seines Partners im Auge behalten. Aber es hat ja auch nicht nur Nachteile, oder?

Verbesserte Online-Marketing Tauglichkeit

Unternehmen lecken sich ja förmlich schon die Finger nach den neuen Daten, die erhoben werden können. Welche Werbung könnte in Zukunft wohl den Nutzern zugeschickt werden, die per Software automatisch am Rock-am-Ring-Festival erkannt wurden? Das sind doch mal richtig interessante Online-Marketing Perspektiven, die George Orwell wahrscheinlich nicht besser hätte formulieren können.

Internet?

Noch einmal zur Erinnerung: George Orwell starb bereits 1950! Der gute Mann hatte wahrscheinlich noch nicht einmal ein Telefon. Ich weiß nicht, ob es beeindruckend oder beängstigend ist, dass Zuckerberg und Co. heute Schritt für Schritt wahr machen, worüber er in seinem berühmten Roman „1984“ geschrieben hat. Versteht mich nicht falsch. Ich liebe Internet. Ich liebe Fortschritt. Aber lasst mir doch bitte ein klitzekleines bisschen Privatsphäre. Bitte.

Ich geh jetzt schlafen. Allein. Ohne Webcam. Danke!

 

9 Antworten

  1. Auch, wenn es für viele Gurus soooo 80s ist, über den Verlust der Privatsphäre im Internet zu jammern, sehe ich das genauso. Liebe Grüße.

  2. Christian Salzborn

    Guten Morgen,

    als Social Media Strategist, aber bekennender Facebook(-Hype) Kritiker sehe ich mich durch diese Zeilen nur bestätigt. Natürlich ist Facebook, allein wegen seiner Reichweite, auch für meinen Arbeitgeber, und somit für meine strategischen Überlegungen von Interesse, aber das manche Social Media mit Facebook gleichsetzen, hinterfrage ich nicht nur kritisch, sondern halte es für gefährlich und alles andere als produktiv.

    "Versteht mich nicht falsch. Ich liebe Internet. Ich liebe Fortschritt. Aber lasst mir doch bitte ein klitzekleines bisschen Privatsphäre. Bitte." Dem ist nichts hinzuzufügen!

    Grüße

  3. Anonymous

    MEOW. Wirklich cooler Artikel. Glücklicherweise beginnen die Zuckerberge langsam zu bröckeln. Jetzt kommt noch die übergehypte T-Aktie für Vollzeitexibitionismus im Volumen von 100 Mrd USD. Die Party ist vorbei, Myspace wartet.

  4. Andreas Kühn

    Wo genau findet der Verlust der Privatssphäre am Beispiel statt? Du kannst die Funktion deaktivieren. Du kannst dich von Facebook fernhalten. Du hast noch immer die Wahl. Das wird sich auf absehbare Zeit nicht ändern. Unterbinde tagging auf deine Bilder und nutze ein dich nicht identifizierendes Profilpic.

    Sicher wirkt dieses neue beängstigend. Aber halte kurz inne, bevor du polemisch wirst. Niemand zwingt zur Nutzung und es gibt noch immer Möglichkeiten dies zu unterbinden.

    Es gibt Themen im Bereich Privatssphäre die wesentlich dringlicher diskutiert werden müssen! Versuch mal Online zu bezahlen OHNE Spuren zu hinterlassen. Und der einzige bisher fruchtbare Ansatz (Bitcoin) wird totgesprochen.

    vg,
    andreas

  5. Klar, man kann alles deaktivieren. Das wissen Sie und das weiß ich, weil wir uns 24/7 beruflich mit diesen Dingen beschäftigen. Aber wie viele Millionen User wissen dies nicht? Diese Funktionen werden oft den Nutzer einfach nur untergejubelt. Da liegt das Problem…

  6. Nick

    Dem Stimme ich zu. Man sollte eine Benachrichtigung kriegen, bei der man sich dann entscheidet ob man das an lässt oder abschaltet.

  7. Hallo Max!
    Vielen Dank für Deinen Kommentar in meinem Blog!
    Zum Thema Gesichtserkennung ist ja im Moment viel im Umlauf. Ich denke, das Schlimmste daran ist, dass es ja nicht für den "User" gemacht wird. Klar, manche werden die Idee klasse finden, aber letztendlich macht man es für die Daten, wie Du schon gesagt hast. Und das ist wirklich traurig, dass der Mensch auf seinen "Marktwert" reduziert wird.

  8. … und während Du abschließend um Privatsphäre bittest wurden bereits beim meinem Aufruf deiner Seite Facebook, Twitter und Google über meinen Besuch unterrichtet, da Du deren Frames unter deinen Artikel setzt.
    Nein, stören tut mich das in diesem Fall nicht, passt aber gut zu dem Kontext deines Postings.

  9. @Hardy:
    Toller Kritikpunkt! Ich geb´s zu, da hast du einen wunden Punkt getroffen. :-)
    Ich benutze sämtliche Netzwerke oft und gerne. Ich hoffe, dass die Datenschutzszenarien nicht ganz so schlimm sind, wie in 1984 beschrieben. Was ich aber erreichen möchte, ist eine Sensibilisierung der Nutzer für diese Themen. Jeder Mensch sollte sich darüber im Klaren sein, dass ein Unternehmen eine Facebook-App nicht programmiert, weil es sozial veranlagt ist, sondern weil es Nutzerdaten analysieren will.
    Social Networks mit Maß genießen quasi.

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