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Vorteile von Google Street-View – präsentiert von einem Punk

Im Mai habe ich über die Vorteile von Google Street View berichtet. Mittlerweile ufert die Diskussion ja fast schon aus. Neulich habe ich in der ZDF-Sendung WISO einen Beitrag über die Vorteile und Nachteile von Google Street View gesehen. In der Diskussion standen sich Blogger und Internetexperte Sascha Lobo und Bundesbeauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit Peter Schaar gegenüber. Alles in allem eine solide Diskussion, wie man sie aus den öffentlich-rechtlichen Sendern gewohnt ist. Solide und objektiv. – Objektiv? Wirklich?
Mich als Mittzwanziger stört es nicht, wenn mir jemand gegenüber steht, der seine Haare rot gefärbt und 20 Zentimeter nach oben gegelt hat. Mich nicht, aber ich bin ja eigentlich auch nicht die Zielgruppe dieser Sendung. Was also hat sich der gute alte Marketing-Manager vom ZDF dabei gedacht, als er Sascha in seine Sendung eingeladen hat?
Das ZDF hat ja traditionell mehr Ilse Aigners als Sascha Lobos als Zielgruppe. Warum wird also in einer Fernsehsendung für Wölfe, ausgerechnet ein Hase eingeladen, um seine Rechte zu verteidigen? Gibt es nicht auch Blogger, die Street View verteidigen und eine konservative Spießerfrisur haben? Meine vage Theorie hierfür ist eigentlich nur, dass das ZDF ein bisschen der üblichen Renterpropaganda starten will, um ihre eigene Meinung zu festigen. Denn wenn man sich die Berichterstattung der letzten Monate in den Öffentlich-Rechtlichen so anschaut, kann eigentlich immer nur festgestellt werden, dass negative Aspekte von Google Street View vertieft werden, und die Vorteile außen vor gelassen werden. So wird zum Beispiel mehrmals pro Nachrichtensendung der Link gezeigt, wo man sich für Street View austragen kann, ich höre aber so gut wie nie etwas über vereinfachte Reiseplanung, die durch Street View ermöglicht wird. So funktioniert eben gutes Marketing.
Das einzige Ziel, welches das ZDF mit dieser Sendung verfolgt hat ist, dass sich die Mittfünfziger Generation, natürlich unbewusst, in ihrem Fernsehsessel denkt: „Jungejunge, diese Internetgeneration besteht ja nur aus Punks und Chaoten!“ Objektive Berichterstattung ist das bestimmt nicht. Vielleicht ist es ja auch bloß reiner Zufall, dass ausgerechnet Sascha eingeladen wurde. Aber… hat schon einmal jemand einen Auslandskorrespondenten mi solch einer Frisur gesehen? Zufälle gibt es im Fernsehen nicht. Hinter jeder Kleinigkeit steckt eine Botschaft. Das sind eben Profis.
Ich habe nichts dagegen, dass Menschen ihr Privateigentum schützen wollen, insofern finde ich es auch gut, dass eine öffentliche Diskussion aufgekommen ist und Google gezwungen wurde solch ein Formular zum abmelden einzurichten. Jedoch ist es schade, dass die Generation, die sowieso zu wenig über das Internet aufgeklärt ist, dann auch noch durch solche Sendungen in ihren Vorurteilen bestärkt wird, dass das alles ja sowieso nur für Hippies und Bombenleger sei. Für diejenigen, die sich nicht tiefer mit der Materie befasst haben, erscheint WISO als eine seriöse Sendung mit sehr guter und objektiver Berichterstattung. Alle anderen ärgern sich.
Niemand, der regelmäßig WISO guckt liest meinen Blog, nur die wenigsten haben eine Facebook-Seite und kaum einer wird sich ernsthaft mit den Funktionen von Google Street View auseinandersetzen, geschweige denn seine Vorteile herausarbeiten. Also: Mit wem rede ich hier eigentlich?
 

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